Geschichte

Geschichte

Zitat aus „Moderne Klassiker, Möbel die Geschichte machen“, S.69
Herausgeberin: Angelika Jahr, Autoren: Ursula Dietz, Dr. Kurt Gustmann, Karl-Richard Könnecke, Klaus-Jürgen Sembach.

Modell Tattomi

Dass viele Köche auch gemeinsam ein gutes Ergebnis zustande bringen, kann dieses Modell belegen. Der Designer Jan Armgardt hatte sich Anfang der achtziger Jahre mit allem beschäftigt, was sich bei Möbeln drehen und klappen lässt. Im Gespräch mit Werner Dechand (mobilia collection) ergab sich das Projekt, einen Sessel zu entwickeln, der sich zu einer Liege ausklappen lässt. Oder umgekehrt: eine Matratze zu konstruieren, die sich zu einem Sessel formen lässt. Unkompliziert sollte das Möbel sein, gedacht und gemacht vor allem für jüngere, bewegliche Menschen in kleinen Wohnungen. Wie die länglichen, kissenartigen Senftütchen müssten die einzelnen Polsterteile geformt sein, war die vage Vorstellung.

 


Werner Dechand beim Schweißen der ersten Gestelle


allererste Varianten

Die ersten Schritte führten zu einem armlehnlosen, niedrigen Sessel aus drei Teilen: eine vierfach verstellbare Rückenlehne, ein unteres Polsterteil und ein oberes, das sich ganz nach vorn klappen lässt, wenn aus dem Sessel eine Liege werden soll. So wurde der Prototyp auch 1985 auf der Kölner Messe vorgestellt. Und die Fachleute waren begeistert.Unter den Begeisterten war auch der Lichtdesigner Ingo Maurer. Er meinte, ein solches Modell müsse auch in Italien auf Interesse stoßen. Er stellte eine Verbindung zu Mailänder Firma DePadova her und beteiligte sich an der Weiterentwicklung und am Feinschliff des Entwurfs. Von ihm stammt auch der Name Tattomi, unter dem der Sessel dann im Januar 1986 präsentiert wurde.

 

Erst danach geriet Fabrikant Dechand über die Gelenkfunktion ins Grübeln und (er)fand den *Relaxknick*. Der entsteht, weil auch das zweite Gelenk sich mehrmals einrasten lässt und so unterschiedliche, sehr entspannte Beinhaltungen möglich macht - bei ebenfalls stark geneigter Rückenlehne. Eine Position, die viele beim Lesen und Fernsehen schätzen.

 

Jan Armgardt hatte allerdings bei der Konzeption von Tattomi weder an Tatami noch an Futon gedacht: „Ich wollte einfach etwas Schlichtes und Bequemes machen.“ Als Schlaffstatt ist Tattomi wohl eher ein Gästebett. Als Sessel bietet er durch die doppelte Polsterlage guten Sitzkomfort. Und er lässt sich leicht bewegen: Unter den flachen Kufen sind Gleitnägel angebracht.